Foreign Perspective // Juli 2026 // by Simon
Wie Trumps Entscheidung von 2018 Europa in den Krieg zog
Trotz einer wackeligen Waffen- ruhe/unruhe liefern sich die USA und der Iran weiter Gefechte in der Straße von Hormus. Die Krise der deutschen Wirtschaft verschärft sich weiter und Friedrich Merz beklagt die hohen Kosten des Krieges für Deutschland.
Deutschland hat diesen Krieg nicht gewollt. Bekommen hat es ihn trotzdem und das trotz aller Bemühungen, ihn zu verhindern. Im Jahr 2018 kämpfte die damalige Bundesregierung gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien darum, das Atomabkommen mit dem Iran zu retten. Der Grund war der Ausstieg der USA unter Trump I. So entwickelten die E3 einen eigenen Zahlungsmechanismus, um Sanktionen zu umgehen. Sie argumentierten, mahnten und vermittelten. Alles vergeblich. Der JCPOA (Joint Comprehensive Plan of Action) zerbrach trotzdem, weil es ohne Washington keinen belastbaren Deal mehr gab.

Acht Jahre später zahlt Deutschland die Rechnung für eine Entscheidung, die nicht in Berlin getroffen wurde.
Wie ist Deutschland in diese Situation geraten? Die Antwort liegt nicht etwa im Februar 2026, als US-amerikanische und israelische Streitkräfte Ajatollah Chamenei töteten. Sie beginnt auch nicht im Juni 2025, als die Operation Midnight Hammer drei iranische Nuklearanlagen zerstörte. Sie liegt im ebenjenen Mai 2018. Genauer am 8. Mai 2018. An diesem Tag kündigten die USA, einseitig, den Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) auf. Es war ein Abkommen mit einigen Schwächen, aber es setzte einen funktionierenden institutionellen Rahmen für weitere Verhandlungen mit dem Iran. Sein Verlust löste eben jene Eskalationsspirale aus, die Deutschland und Europa in eine neuerliche Krise treibt und deren Konsequenzen auch die USA innenpolitisch treffen.
US-Iran-Konflikt: Chronologie der Eskalation 2018–2026
Vom JCPOA-Ausstieg zum offenen Krieg — die wichtigsten Wendepunkte. Klick auf ein Ereignis für mehr Details.
Im Rahmen dieser Analyse wird der westliche Fachdiskurs zu dieser Eskalation kartiert. Die Analyse fragt: Welche Argumentationslogiken lassen sich identifizieren? Entlang welcher Pole organisiert sich die Diskussion? Und wie verhalten sich diese Pole zu den erklärten Zielen der USA? Nämlich den Zielen der Nonproliferation und der Herstellung regionaler Stabilität.
Als analytischer Ausgangspunkt dient folgende These: Der US-Ausstieg vom 8. Mai 2018 hat diese erklärten Ziele systematisch untergraben und die Eskalation strukturell mitverursacht. Diese These misst Außenpolitik nicht an normativen Maßstäben, sondern an den eigenen erklärten Zielen der handelnden Akteure.
Den Einstieg bilden Artikel folgender zwei zentralen Persönlichkeiten: Wendy Sherman, welche den JCPOA verhandelt hat, und Michael Pompeo, ehemaliger US-Außenminister und federführend bei der Aufkündigung des Vertrages. Sie definieren das Spielfeld des gesamten Diskurses.
Begriffserklärung
Die folgenden Begriffe werden in dieser Arbeit wiederholt verwendet. Sie stammen
aus der Fachsprache der Außen- und Sicherheitspolitik. Um die Arbeit auch für
einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, werden sie hier vorab erläutert.
JCPOA – der Atomdeal von 2015
JCPOA steht für Joint Comprehensive Plan of Action. Auf Deutsch: Gemeinsamer
umfassender Aktionsplan. Es handelt sich um das im Juli 2015 geschlossene
Nuklearabkommen zwischen dem Iran und den fünf ständigen Mitgliedern des UN
Sicherheitsrat (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) sowie
Deutschland und der Europäischen Union. Der Deal verpflichtete den Iran zur
massiven Einschränkung seines Atomprogramms im Austausch für die schrittweise
Aufhebung internationaler Wirtschaftssanktionen. Am 8. Mai 2018 trat die US
Regierung unter Präsident Trump einseitig aus dem Abkommen aus. Ein Schritt
welcher den Ausgangspunkt dieser Analyse bildet.
Nonproliferation – Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen
Nonproliferation bezeichnet das politische Ziel, die Verbreitung von Atomwaffen auf
weitere Staaten zu verhindern. Das Fundament dieses Ziels ist der
Atomwaffensperrvertrag (Nuclear Non-Proliferation Treaty, NPT oder auch NVV) von 1968, dem fast
alle Staaten der Welt beigetreten sind. Nonproliferation war das erklärte Hauptziel,
der USA im Umgang mit dem iranischen Atomprogramm, sowohl unter
Befürwortern wie auch unter Gegnern des JCPOA. Dieser Beitrag misst die US-Politik
an ebendiesem selbst gesetzten Ziel.
Policy – Politische Strategie und Handlungsweise
Der Begriff „Policy“, der im Deutschen häufig unübersetzt verwendet wird, bezieht sich auf die konkrete politische Strategie und die Methoden, die ein Staat oder eine Institution in einem bestimmten Politikbereich anwendet. Im Gegensatz zu „Politics“ (dem politischen Prozess) oder „Polity“ (dem politischen System) ist Policy das Wesentliche der Politik: Welche Ziele verfolgt ein Staat? Welche Instrumente setzt er ein? Wenn das Thema dieses Artikels „US-amerikanische Iran-Policy“ lautet, dann wird die tatsächliche geopolitische Herangehensweise der USA an den Iran erörtert.
Diskursanalyse – Kartierung von Argumenten
Der Begriff Diskursanalyse hat in der Wissenschaft eine sehr spezifische Bedeutung:
Er bezeichnet ein komplexes akademisches Verfahren, das auf Theoretiker: innen wie
Michel Foucault zurückgeht und untersucht, wie Sprache Wirklichkeit konstruiert und
Machtverhältnisse reproduziert. Diese Arbeit verwendet den Begriff in einem
engeren, pragmatischeren Sinne.
Hier meint Diskursanalyse die systematische Kartierung der
Argumentationslandschaft: Welche Argumente werden in der Debatte über einen
US-Angriff auf den Iran vorgebracht? Entlang welcher Pole organisiert sich die
Debatte? Welche Argumentationslogiken lassen sich identifizieren? Es geht nicht um sprachliche Tiefenanalyse, sondern um die Frage: Wer argumentiert wie und
Warum?
Methodenteil
Forschungsdesign und Erkenntnisinteresse
Diese Arbeit kartiert die Argumentationslandschaft des westlichen Fachdiskurses zum US-Iran-Konflikt und Irans Nuklearprogramm im Zeitraum von 2018 bis 2026. Die Leitfrage lautet nicht, welche Argumente empirisch wahr sind, sondern wie sich der Diskurs strukturiert: Welche Argumentationslogiken lassen sich identifizieren? Entlang welcher Pole organisiert sich die Debatte? Und wie verhalten sich diese Pole zu den erklärten Zielen der USA?
Als analytischer Ausgangspunkt dient die These, dass der US-Ausstieg aus dem JCPOA am 8. Mai 2018 die erklärten US-Ziele, Nonproliferation und regionale Stabilität, systematisch untergraben und die Eskalationsdynamik strukturell mitverursacht hat. Diese These ist empirisch prüfbar, denn sie misst Außenpolitik nicht an normativen Maßstäben, sondern an den eigenen erklärten Zielen der handelnden Akteure.
Methodisch ist diese Arbeit keine linguistische Diskursanalyse im Sinne der Foucaultschen Tradition. Sie ist eine strukturierte Argumentationskartierung auf Basis eines definierten Textkorpus. Das Ziel ist nicht sprachliche Tiefenanalyse, sondern die folgende Frage: Wer argumentiert wie und warum?
Quellenauswahl: Foreign Affairs und SWP
Der Analysekorpus setzt sich aus Publikationen zweier Quellen zusammen: Foreign Affairs (FA) und der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Die Auswahl ist bewusst getroffen worden und wird im Folgenden begründet.
Foreign Affairs
Foreign Affairs (FA) gilt als eine der einflussreichsten außenpolitischen Fachzeitschriften der Welt. Ihre Essays und Essay-Responses richten sich an ein akademisch-politisches Fachpublikum und repräsentieren den außenpolitischen Diskurs der atlantischen Gemeinschaft. Essay-Responses sind dabei besonders wertvoll, da sie explizite Gegenargumentationen abbilden und die Polarstruktur des Diskurses direkt sichtbar machen.
Die Artikelauswahl erfolgte über die digitale Datenbank von Foreign Affairs mit folgenden Filtern:
- Essay und Essay-Response,
- Region Middle East,
- Thema Nuclear Weapons & Proliferation,
- Zeitraum: 2018 bis Februar 2026.
Der Filter „Diplomacy“ wurde bewusst ausgeschlossen, um den Korpus nicht auf Artikel zu erweitern, die Diplomatie als allgemeines Thema behandeln, ohne Iran und das Nuklearprogramm als expliziten Gegenstand zu haben.
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
Die SWP ist Deutschlands führende außen- und sicherheitspolitische Denkfabrik und berät unmittelbar Bundestag und Bundesregierung. SWP-Publikationen repräsentieren den europäisch-deutschen Expertendiskurs und damit eine bewusst andere geopolitische Perspektive als Foreign Affairs. Die Einbeziehung der SWP dient der Erweiterung des Analyserahmens über den atlantischen Diskurs hinaus.
Die Artikelauswahl bei der SWP erfolgte über die SWP-Literaturdatenbank mit den Schlagwörtern:
- Iran,
- JCPOA,
- Nuklearprogramm und
- regionale Sicherheit
- im Zeitraum 2017 bis 2026.
Aufgenommen wurden
- SWP-Aktuell,
- SWP Comment,
- SWP-Studie und SWP-Research-Paper
alle Formate, die ausgearbeitete Argumentationen darstellen.
Auswahlkriterien und Korpuslogik
Die Auswahl des Korpus basierte ausschließlich auf strukturellen Kriterien wie Erscheinungsjahr und Publikationsformat, nicht auf inhaltlichen Positionierungen. Dieses Prinzip ist methodisch grundlegend. Eine Auswahl, die auf den Inhalt ausgerichtet ist, würde das Ergebnis der Analyse vorwegnehmen.
Vier Auswahlkriterien wurden angelegt:
- erstens: expliziter Bezug zum iranischen Nuklearprogramm oder JCPOA;
- zweitens: Erscheinen im definierten Analysezeitraum 2018 bis 2026;
- drittens: Publikation im angegebenen Format
- viertens: Verfügbarkeit des Volltexts.
Artikel, die nach Oktober 2025 erschienen, wurden methodisch einbezogen, da der definierte Analyseendpunkt 2026 ist. Das rechtfertigt sich inhaltlich, denn der Snapback-Mechanismus des JCPOA lief im Oktober 2025 aus. Damit endet eine definierbare institutionelle Phase des Konflikts und zugleich die Möglichkeit, neue UN-Sanktionen ohne Vetoblockade durch Russland und China zu verhängen. Post-2025-Artikel sind keine Nachträge, sondern Teil des Korpus.
Mehrfachaufnahme: Begründung der Ausnahme
Guido Steinberg (SWP)
Steinberg wird mit folgenden drei Artikeln aufgenommen: „Die schiitische Internationale“ (2018), „The Axis of Resistance“ (2021) und „Der Nexus zwischen al-Qaida und Iran“ (2024). Diese drei Artikel spannen einen argumentativen Entwicklungsbogen über sechs Jahre. Ersterer dokumentiert die unmittelbaren Folgen des JCPOA-Ausstiegs auf das iranische Proxy-Netzwerk. Letzterer erweitert das analytische Bild um die Dimension der Iran-al-Qaida-Beziehung. Alle drei Dimensionen sind für das Argumentationsraster unersetzlich und werden von keinem anderen SWP-Autor abgedeckt.
Azadeh Zamirirad (SWP)
Zamirirad wird mit drei Artikeln aufgenommen: „Irans Atomprogramm: Washington und Brüssel auf Kollisionskurs“ (2017), „Iran im Umbruch“ (2023) und „Neue Atomgespräche mit Iran“ (2025). Die drei Beiträge decken folgende drei zeitliche Phasen und drei Analyseebenen ab: die unmittelbare Reaktion auf den Ausstieg, die innenpolitische Entwicklung Irans und die aktuellen Verhandlungsdynamiken. Als einzige Autorin im Korpus deckt sie die europäisch-deutsche Nukleardiplomatie-Perspektive über den gesamten Untersuchungszeitraum ab.
Hamidreza Azizi (SWP)
Azizi wird mit zwei Artikeln aufgenommen: „Iran’s Multi-Faceted Strategy in Deir ez-Zor“ (2020) und „Challenges to Iran’s Role in Iraq in the Post-Soleimani Era“ (2021). Beide behandeln die iranische Regionalmachtstrategie in verschiedenen geografischen Kontexten, wie Syrien und Irak. Da kein anderer SWP-Autor diese geografische Tiefe abdeckt, ist die Ausnahme methodisch gerechtfertigt.
Primärquellen: Besonderer methodischer Status
Vier Artikel des Korpus besitzen einen Sonderstatus, denn sie stammen von direkten Entscheidungsträgern und nicht von externen Analytikern. Ihr Wert als Quellen besteht nicht in einer analytischen Distanz, sondern in ihrer Funktion als Dokumentation der politischen Realitäten selbst.
Wendy Sherman 2018
Sherman war US-Unterstaatssekretärin und Chefunterhändlerin des JCPOA. Ihr Artikel ist kein akademischer Beitrag. Er ist eine politische Verteidigung des Deals durch eine direkt beteiligte Akteurin. Die analytische Funktion ihres Textes ist die US-Innenperspektive auf den Verhandlungsprozess und die Logik des Ausstiegs. Ihr Text ist ein Pol-A-Kerndokument, aber kein unparteiisches Zeugnis.
Michael Pompeo 2018
Pompeo war US-Außenminister und Architekt des Ausstiegs. Sein Artikel ist die vollständige Pol-B-Begründung für den Ausstieg aus erster Hand. Der Text ist eine Originalstimme der Ausstiegsentscheidung und daher unverzichtbar für die Analyse der Eindämmungslogik und ihrer Motive. Sherman und Pompeo erschienen 2018 im selben Heft. Ihr direkter Kontrast definiert das Spielfeld des gesamten Diskurses.
Mohammad Javad Zarif & Amir Parsa Garmsiri 2025
Zarif war Irans Außenminister und Chefverhandler des JCPOA. Sein Text ist iranische Außenpolitik in Textform. Seine analytische Funktion liegt in der iranischen Eigenwahrnehmung des Konflikts und der US-Ausstiegsfolgen. Der Text ist nicht als eine analytische Quelle zu verwenden, sondern als ein politisches Dokument.
Seyed Hossein Mousavian 2019
Mousavian war iranischer Botschafter und ist akademisch an der Princeton University eingebunden. Er verbindet diplomatische Praxis mit akademischer Einbettung. Die analytische Funktion liegt in der Innenperspektive auf iranischer Sicherheitswahrnehmung unmittelbar nach dem Ausstieg. Analog zu Zarif ist auch hier anzumerken, dass der Text eine Primärquelle mit institutionellem Eigeninteresse darstellt.
Grenzquellen: Sondermarkierungen
Vier weitere Artikel nehmen im Korpus eine besondere Stellung ein. Sie sind keine klassischen Politikanalysen von unabhängigen Wissenschaftler:innen. Ihr institutioneller Hintergrund oder ihre persönliche Perspektive erfordert besondere Transparenz.
Wang Xiyue 2020
Ist Historiker und ehemaliger politischer Gefangener des iranischen Regimes. Seine Perspektive ist durch persönliche Erfahrung geprägt. Er ist kein klassischer Politikanalytiker. Sein Wert für den Korpus ist sein Zeugnis zum Regime-Charakter, nicht zur Nuklearpolitik.
Reid Smith 2025
Ist Autor mit Verbindung zur Advocacy-Organisation Stand Together aus dem Koch-Netzwerk. Libertär-isolationistischer Pol-B-Subtyp ohne akademische oder staatliche Einbindung. Seine analytische Funktion: zeigt ideologische Varianz innerhalb Pol-B.
Eric Brewer 2024
Ist Senior Fellow bei der Nuclear Threat Initiative (NTI). Eine nonproliferationsorientierte Denkfabrik. Sein Artikel ist policy-orientiert und kein rein akademischer Text. Die institutionelle Rahmung prägt seine Handlungsempfehlungen.
Ali Vaez 2024
Ist Senior Iran-Analyst bei der International Crisis Group (ICG). Die ICG hat ein explizites Mandat zur Konfliktprävention. Das ist eine normative Präferenz für diplomatische Lösungen und hier institutionell verankert. Der Artikel ist analytisch solide, aber der institutionelle Bias muss mitgedacht werden.
Analytischer Rahmen: Pole, Raster und Normativität
Der Diskurs wird entlang zweier analytischer Pole kartiert:
- Pol A (Kooperationslogik): Der JCPOA war ein funktionierender institutioneller Rahmen. Der US-Ausstieg war zielwidrig. Er hat die Nonproliferationsziele der USA untergraben und die Eskalation strukturell mitverursacht.
- Pol B (Eindämmungslogik): Iran ist ein strukturell revisionistischer Akteur. Kooperation stärkt das Regime. Die Annahme: Nur kontinuierlicher Druck kann eine Verhaltensänderung erzwingen. Der JCPOA war strategisch naiv.
Beide Pole sind analytische Konstrukte. Sie sind keine normativen Kategorien. Zwischentöne werden als eigenständige Positionstypen behandelt. Sie stellen keine Unentschlossenheit dar, sondern eine dritte Argumentationslogik.
Das Raster
Die Visualisierung der Argumentationslandschaft folgt einer zweidimensionalen Rasterlogik: X-Achse Kooperationslogik bis Eindämmungslogik, Y-Achse Nuklearfokus bis Regionalfokus. Die Y-Achse bildet den analytischen Schwerpunkt der Artikel ab. Und somit nicht eine trennbare empirische Realität. Nukleare und regionale Dimensionen iranischer Politik sind empirisch verflochten. Die Achse zeigt, welche Dimension im jeweiligen Artikel dominiert.
Die Darstellung ist vom Sinus-Milieu-Modell inspiriert: überlappende Zonen statt diskreter Punkte. Positionen werden nicht als eindeutige Einordnungen behandelt, sondern als Schwerpunktsetzungen innerhalb eines kontinuierlichen Raums.
Normativität und Messung
Die These dieser Arbeit hat eine Richtung, denn sie stützt nämlich Pol A. Normative Urteile werden nicht extern gesetzt, sondern an den eigenen erklärten Zielen der Akteure gemessen. Hierbei waren die US-Ziele: Nonproliferation und regionale Stabilität. Diese Operationalisierung ist die Messlatte der Analyse und damit kein externer normativer Standard.
Doch eine methodische Einschränkung ist zu erwähnen. Es ist möglich, dass Pompeos tatsächliche Ziele, Regime Change oder vollständige Kapitulation Irans, von seinen erklärten Zielen abwichen. Gemessen an den erklärten Zielen ist der Ausstieg zielwidrig. Gemessen an dem Ziel Regime-Change wäre die Bewertung komplexer. Dieser Blogbeitrag hält an den erklärten Zielen als Messlatte fest und weist diese Entscheidung an dieser Stelle hier somit transparent aus.
Artikelreihenfolge: FA vor SWP
Das der Foreign-Affairs-Abschnitt vor dem SWP-Abschnitt steht hat eine methodische Begründung: Die beiden Primärquellen, die das Spielfeld des Diskurses definieren, Sherman und Pompeo, sind FA-Artikel aus dem Jahr 2018. Der narrative Einstieg über diese beiden Quellen macht den analytischen Rahmen für die Lesenden zuerst zugänglich. Der SWP-Abschnitt ergänzt und erweitert diesen Rahmen aus europäisch-deutscher Perspektive.
Korpusübersicht
Der Gesamtkorpus umfasst 40 Artikel: 29 aus Foreign Affairs und 11 aus SWP-Publikationen.
- Foreign Affairs: 29 Essays und Essay-Responses (2018–2026)
- SWP-Aktuell: 3 Artikel (2017, 2023, 2025)
- SWP-Comment: 4 Artikel (2018, 2019, 2020)
- SWP-Studie: 1 Artikel (2023)
- SWP Research Paper: 1 Artikel (2021)
Gesamt: 40 Artikel
Der Foreign-Affairs-Diskurs: Zwei Primärquellen definieren das Spielfeld
Sherman & Pompeo
Zwei Artikel der ausgewerteten Foreign-Affairs-Artikel nehmen eine Sonderstellung ein. Wendy Sherman und Michael Pompeo sind beide Entscheidungsträger. Sherman verhandelte das JCPOA. Pompeo war der US-Außenminister und federführend bei der Kündigung des Abkommens. Beide veröffentlichten im Jahr 2018 Artikel in Foreign Affairs. Beide Texte sind Teil des Konfliktes.


Sherman beschreibt den JCPOA als institutionellen Rahmen, der konkrete Handlungsmöglichkeiten schuf. Das Abkommen begrenzte nicht nur Irans Nuklearprogramm technisch. Es etablierte Verifikationsmechanismen, Inspektionsrechte und diplomatische Kommunikationskanäle, welche ohne den Deal nicht existiert hätten. Die US-amerikanische innenpolitische Entscheidung, den Deal für obsolet zu erklären, zerstörte diesen Rahmen vollständig.

Im Gegensatz dazu zieht Pompeo eine entgegengesetzte Schlussfolgerung. Pompeo zufolge war der JCPOA kein Gewinn, sondern ein strategischer Fehler. Ihm zufolge sei der Iran ein revisionistischer Akteur, dessen Regionalpolitik durch den Deal nicht eingehegt, sondern finanziert wurde. Eine Verhaltensänderung könne nur durch maximalen Druck erreicht werden. Während Sherman den institutionellen Rahmen, der durch den JCPOA gegeben war, verteidigt, bezeichnet Pompeo diesen als Sicherheitsrisiko.

Diese beiden Pole, Kooperationslogik und ihre Stellvertreterin Sherman und Eindämmungslogik und ihr Stellvertreter Pompeo, strukturieren den Diskurs. Die übrigen 27 Artikel reagieren, explizit oder implizit, auf die Frage, welche Sherman und Pompeo 2018 aufgeworfen haben: War der JCPOA ein Zugewinn an Handlungsspielraum, dessen Verlust die Eskalation strukturell mitverursacht hat? Oder war es ein Fehler, dessen Korrektur überfällig war?
Pol A: Der JCPOA als verlorener Handlungsrahmen
Kahl – Vaez – Zarif/Garmsiri
Colin H. Kahl
Die stärkste und früheste Gegenstimme zu Pompeo lieferte Colin Kahl. In seinem Artikel „Pompeo’s Dangerous Delusions“, vom Oktober 2018, in Foreign Affairs, zeigt Kahl anhand konkreter Zahlen, was der JCPOA als ein institutioneller Rahmen tatsächlich geleistet hat. Vor dem Deal war Iran zwei bis drei Monate von waffenfähigem Material entfernt. Nach dem Deal mindestens 12 Monate. Diese Ausbruchszeit ist kein symbolischer Gewinn, sie ist strategisch fundamental.
Kahl zeigt weiter: Die Zwölf-Punkte-Forderungsliste Pompeos ist keine Verhandlungsgrundlage. Denn sie verlangt die vollständige Aufgabe der iranischen Großstrategie. Kein iranisches Regime kann dem zustimmen, ohne innenpolitisch zu kollabieren. Hinzu kommt ein empirischer Befund, welcher die Pol-B-Logik direkt herausfordert.
Folgendes: So könnten Sanktionen das Budget der Revolutionsgarden (IRGC) paradoxerweise erhöhen, durch Schmuggel und innenpolitische Mobilisierung. Irans Regionalpolitik ist kaum ressourcenunabhängig. Jedoch finanzierte der Iran selbst unter maximalen Sanktionen vor 2015 die Hisbollah, syrische Milizen und die Huthis im Jemen.
Zur Einordnung ist es wichtig, bei Kahl anzumerken, dass dieser Teil der Obama-Administration war. Das färbt natürlich seine Haltung pro JCPOA, jedoch sind seine empirischen Argumente durchaus überzeugend.
Ali Vaez
Sechs Jahre später zieht Ali Vaez in „Why the War in Gaza makes a nuclear Iran more likely“, Foreign Affairs, Januar 2024, eine nüchterne Bilanz. Ali Vaez ist Senior Analyst der International Crisis Group.
Der institutionelle Rahmen ist zerstört und Iran hält sich nicht mehr an die Transparenzmaßnahmen des Deals. Inklusive der Überwachung von Zentrifugenproduktionsstätten. Die IAEGO hat keinen vollständigen Überblick. Vaez benennt das Kernproblem präzise: Teheran glaubt nicht mehr daran, dass westliche Zusagen verlässlich sind. Das ist eine direkte Folge des Ausstiegs 2018. Der Gaza-Krieg verschärft diese Dynamik zusätzlich. Geplante Verhandlungen in Oman am 18. Oktober 2023 wurden durch den Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 abgesagt.
Vaez formuliert hier die direkteste Pol-A-These des gesamten FA-Korpus. Die Diplomatie hat Irans Nuklearprogramm eingedämmt, nichts anderes. Militärische Optionen verzögerten bestenfalls das Programm. Im Gegensatz zum Abkommen schaffen sie keinen dauerhaften Rahmen.
Mohammad Javad Zarif & Amir Parsa Garmsiri
Die iranische Perspektive auf diesen Vertrauensverlust liefern Mohammed Javad Zarif und Amir Parsa Garmsiri in „How America and Iran can Break the Nuclear Deadlock“, Foreign Affairs, Dezember 2025.
Zarif war Irans Außenminister und Chefverhandler des JCPOA. Sein Text ist kein akademischer Beitrag, sondern ist iranische Außenpolitik in Form eines Beitrages zu verstehen. Das macht ihn zu einer Primärquelle im vollen Sinne, nicht zu einem analytischen Beleg.
Zarif und Garmsiri beschreiben den US-Iran-Konflikt als selbstverstärkenden Securitization-Zyklus. Iran wird als Bedrohung dargestellt, als Bedrohung behandelt, reagiert mit Aufrüstung und bestätigt damit die Bedrohungsnarrative. Der JCPOA hat diesen Zyklus 2015 temporär durchbrochen. Der Ausstieg 2018 hat ihn reaktiviert. Irans Nuklearreaktion seit 2019 sei eine direkte Reaktion auf US-Druck, nicht Ausdruck originärer Aggressivität. Ein neues Abkommen sei möglich, aber nicht unter Zwang. Zarifs Argument entlastet Iran strukturell von Eigenverantwortung. Das ist sein stärkster analytischer blinder Fleck. Kritiker würden antworten: Das iranische Proxy-Netzwerk ist kein reaktives Phänomen, es wurde jahrelang aufgebaut.
Zusammenfassung Pol A
Alle drei Artikel verbindet ein gemeinsames Argument: Der JCPOA war kein Vertrauensbeweis gegenüber Iran. Er war ein institutioneller Rahmen, der konkrete Handlungsmöglichkeiten schuf: Verifikation, Transparenz, diplomatische Kommunikation. Sein Verlust hat nicht nur eine Verhandlungschance zerstört. Stattdessen hat der Verlust erst die strukturellen Rahmenbedingungen für die nachfolgende Eskalation gesetzt.
Pol B: Iran als revisionistischer Akteur
Choksy/Choksy – Ross – Takeyh
Choksy/Choksy
Die klarste Pol-B-Position im FA-Korpus vertreten Carol E. B. Choksy und Jamsheed K. Choksy in „Iran’s Nuclear Tipping Point“, Foreign Affairs, aus dem Oktober 2024.
Ihre Kernthese ist pessimistisch: Die Frage ist nicht mehr, ob Iran eine Nuklearwaffe anstrebt, sondern wann.
Der 7. Oktober 2023 hat diese Dynamik beschleunigt. Proxy-Netzwerke wurden geschwächt, Führungspersonen eliminiert, die eigene iranische Verwundbarkeit sichtbar. Nuklearwaffen sind für das Regime seitdem kein strategisches Instrument mehr, sondern eine Frage des eigenen Überlebens.
Choksy/Choksy stellen damit das stärkste Argument gegen die Pol-A-These des Korpus: Weder JCPOA noch Diplomatie haben Irans Nuklearambitionen grundsätzlich verändert, sie haben sie nur verzögert. Der JCPOA wird als einer von mehreren gescheiterten Versuchen behandelt, gleichrangig mit Sanktionen und israelischen Sabotageakten.
Der US-Ausstieg 2018 wird nicht als Kausalfaktor hervorgehoben. Das entlastet Trump implizit. Analytisch ist das die entscheidende Schwäche des Artikels: Er beschreibt Irans nuklearen Kurs als strukturelles Phänomen, ohne die institutionellen Bedingungen zu analysieren, unter denen dieser Kurs in den Jahren 2015 bis 2018 nachweislich verlangsamt wurde.
Dennis Ross
Eine differenziertere Pol-B-Position nimmt Dennis Ross ein. In „Iran Is Testing the Trump Administration“, Foreign Affairs, September 2019, akzeptiert Ross die Eindämmungslogik als Ausgangspunkt — kritisiert aber die Umsetzung scharf.
Laut ihm ist Wirtschaftsdruck ein Instrument, kein Ziel. Ohne diplomatische, militärische und politische Begleitung erzeugt er Gegendruckdynamiken, die die USA strategisch überraschen. Ross belegt das empirisch: Nach dem Ende der Sanktionswaivers (Ausnahme von den US-Sanktionen) im Mai 2019 begann Irans strukturierte Gegenstrategie. Der iranische Angriff auf die Ölanlage Abqaiq am 14. September 2019, welcher fünf Prozent der globalen Ölverarbeitung ausmacht, ist als eine Maßnahme des strukturierten Gegendrucks zu verstehen. Iran stand zu diesem Zeitpunkt unter massivem wirtschaftlichen Druck. Der Einbruch der Ölexporte und der massive Währungsverlust des Rials um 60 Prozent setzten dem Land zu. Der iranische Angriff war als eine Botschaft an die USA und ihre Verbündeten gedacht. Der Iran kann die Kosten für den Welthandel – Ölpreis, regionale Instabilität, Versicherungsrisiken für Tanker, erhöhen, ohne eine direkte militärische Konfrontation zu riskieren. Ross‘ Kernargument ist folgendes: Wer maximalen Druck ausübt ohne klare rote Linien und ohne ein diplomatisches Angebot, provoziert genau so eine Reaktion.
Ross schließt den JCPOA als einen Ausgangspunkt für neue Verhandlungen nicht aus. Die ursprünglichen Klauseln von 10 bis 15 Jahren sind seiner Erachtung nach zu kurz. Er will einen strukturell anderen Deal mit dem Iran. In einer deutlich schärferen Form.
Ross bleibt in der Pol-B Logik: Iran ist ein revisionistischer Akteur, der durch Stärke eingehegt werden muss. Seine empirischen Befunde zeigen aber etwas anderes. Der Druckansatz der Trump-Administration hat keine Verhaltensänderung erzeugt, sondern strukturierten Gegendruck ausgelöst. Ross zieht daraus nicht die Schlussfolgerung, dass Druck grundsätzlich falsch ist. Er sagt: Dieser Druck war strategisch inkohärent.
Ray Takeyh
Den radikalsten Standpunkt innerhalb dieser Gruppe formuliert Ray Takeyh in „The Bomb Will Backfire on Iran“, Foreign Affairs, Oktober 2021.
Für Takeyh ist Diplomatie keine Option mehr, sie ist bereits gescheitert. Der JCPOA kommt im Text nicht vor. Er ist für Takeyh bereits irrelevant.
Vier US-Präsidenten hätten seit 2005 das Nuklearproblem zur Priorität erklärt, ohne ein Ergebnis. Takeyhs Argument ist eigenwillig: Nuklearwaffen werden Iran schaden, nicht nützen. Sie lösen regionale Rüstungswettläufe aus, festigen den US-Konsens gegen Teheran und mobilisieren die innenpolitische Opposition. Das Regime gewinne kurzfristig Prestige und verliere langfristig Legitimität.
Das ist Pol-B-Logik mit deterministisch-optimistischem Einschlag: keine Präventivstrategie, sondern die Spekulation auf den Selbstschaden der Bombe.
Zusammenfassung Pol B
Die drei Artikel zeigen: Pol B ist kein monolithisches Lager. Choksy/Choksy diagnostizieren ohne Lösungsangebot. Ross kritisiert die Umsetzung, nicht die Prämisse. Takeyh erklärt Diplomatie für tot und setzt auf strukturellen Selbstschaden.
Was alle drei verbindet: Die institutionellen Leistungen des JCPOA – Verifikation, Transparenz, Ausbruchszeit – bleiben unerwähnt oder werden als unerheblich behandelt.
Genau das ist der analytische Kern der Gegendebatte.
Zwischentöne: Wo der Diskurs tatsächlich stattfindet
Die Mehrheit der 29 FA-Artikel lässt sich keinem der beiden Pole eindeutig zuordnen. Sie teilen Prämissen beider Seiten und ziehen daraus eigene Schlussfolgerungen. Drei Artikel markieren diese Bandbreite besonders deutlich.
Afshon Ostovar zeigt in „The US and Iran Are Marching Toward War“, Foreign Affairs, Juni 2019, dass beide Seiten durch maximalistischen Eigensinn in eine Eskalationsspirale geraten sind. Nicht weil der Krieg gewollt ist, sondern weil beide Seiten sich selbst eingemauert haben. Die Verantwortung ist bilateral, aber asymmetrisch in ihrer Entstehung.
Eric Brewer dokumentiert in „Iran’s New Nuclear Threat“, Foreign Affairs, Juni 2024, eine qualitativ neue Entwicklung: Iran instrumentalisierte seinen Schwellenstatus aktiv als Abschreckungsinstrument. Er droht mit dem letzten Schritt zur Bombe. Iran hat nicht das Ziel, die Bombe zu bauen, sondern das Ziel, mit der Drohung Sanktionen und Militärschläge abzuwehren. Brewer benennt das als strukturelle Konsequenz des JCPOA-Ausstiegs, ohne die Kausalzuschreibung explizit zu machen.
Richard Haas schließlich formuliert in „The Iran Opportunity“, Foreign Affairs, Januar 2025, die pragmatische Position des gesamten Korpus: Weder maximaler Druck noch reine Diplomatie lösen das Iran-Problem dauerhaft. Nur ein verifizierbares Abkommen, das breiter angelegt ist als der JCPOA und die Regionalpolitik und das Raketenprogramm miteinbezieht, ist in der Lage nachhaltige Stabilität zu schaffen. Haas schreibt das im Januar 2025, kurz bevor das Verhandlungsfenster durch die Militärschläge geschlossen wird.
Der SWP-Diskurs: Die europäisch-deutsche Perspektive
Der SWP-Korpus umfasst elf Artikel aus dem Zeitraum 2017 bis 2025. Er ist kleiner als der FA-Korpus, aber analytisch eigenständig. Der Besonderheiten prägen ihn:
- ist er Pol-A lastig. Drei von elf Artikeln vertreten klar die Kooperationslogik, fünf sind Zwischentöne mit Pol-A Tendenz, nur drei sind Pol-B. Das ist kein Zufall. Es spiegelt den europäisch-deutschen außenpolitischen Konsens wider. Dieser bewertet den JCPOA als Erfolg.
- zwei Autoren dominieren den Korpus. Guido Steinberg mit drei Artikeln für Pol-B, Azadeh Zamirirad mit drei Artikeln für Pol-A.
- Der Pol-B-Anteil im SWP-Korpus ist ein empirischer Befund. Er zeigt, dass die Eindämmungslogik in der deutschen Politikberatung seitens der SWP eine strukturelle Minderheitsposition darstellt.
Pol A: Frühwarnung und Bilanz
Corentin Brustlein et al.
Der früheste und in gewisser Weise präziseste Pol-A Text des gesamten Korpus ist kein FA-Artikel. Er erschien im Februar 2018, drei Monate vor dem US-Ausstieg. In „Saving Transatlantic Cooperation and the Iran Nuclear Deal“, SWP-Comment, Februar 2018, formulieren zehn Autoren aus vier führenden Thinktanks (SWP, Chatham House, IFRI, RAND) eine gemeinsame Warnung. Der US-Ausstieg wird den JCPOA nicht nur zerstören. Er wird die gesamte transatlantische Kooperation in der Non-Proliferationspolitik gefährden. Die Autoren beschreiben dabei präzise, was dann auch eintrat: Iran näherte sich der nuklearen Schwelle, die internationale Gemeinschaft spaltet sich, wirksame Koordination wird unmöglich. Das ist die These dieser Analyse. Eine Prognose, die sich bewahrheitet hat. Methodisch ist das zu vermerken: Er ist ein Frühwarndokument, kein Beweis.
Analytisch ist er dennoch stark: Er zeigt, dass der transatlantische Konsens zum Zeitpunkt des Ausstiegs eindeutig war. Die USA handelten gegen den ausdrücklichen Rat ihrer engsten Verbündeten.
Azadeh Zamirirad
Den aktuellsten und empirisch dichtesten Pol-A Text des SWP-Korpus liefert Azadeh Zamirirad in „Neue Atomgespräche mit Iran“, SWP-Aktuell 22.Mai 2025. Der Artikel schließt die Kausalkette, die Brustlein et al. 2018 antizipiert hatten. Iran verfügt im Februar 2025 über 7.464 Kilogramm angereichertes Uran. Das ist das 25-Fache der JCPOA-Obergrenze. Die Ausbruchszeit für waffenfähiges Material liegt bei wenigen Tagen. Seit 2021 ist das Zusatzprotokoll ausgesetzt. Mehrere IAEO-Inspekteure haben seit 2023 keinen Zugang mehr. Zamirad benennt Mai 2019 als den Moment, in dem Iran die technischen Beschränkungen schrittweise aussetzte. Eine explizite Reaktion auf den US-Ausstieg 2018. Diese Kausalkette ist in keinem anderen der Artikel so explizit ausgewiesen.

Zamirirad ist keine Apologetin des JCPOA. Sie sagt klar: Eine bloße Rückkehr zum Originaldeal reicht nicht mehr. Der Ausstieg hat irreversible Fakten geschaffen. Das ist kein Widerspruch zu Pol A. Sondern seine konsequente Fortschreibung unter veränderten Bedingungen.
Pol B: Steinbergs Entwicklungsbogen 2018 – 2024
Der gesamte Pol-B Anteil des SWP-Korpus stammt von einem einzigen Autor: Guido Steinberg. Das ist ein empirischer Befund. Pol-B ist innerhalb dieses Korpus eine Ein-Mann-Position innerhalb des deutschen Politikberatungsdiskurses. Steinbergs drei Artikel spannen einen Bogen über sechs Jahre und zeigen, wie sich die Eindämmungslogik unter veränderten Bedingungen entwickelt.
Guido Steinberg – „Die schiitische Internationale“, SWP-Aktuell, Oktober 2018
Steinbergs frühester Artikel erscheint unmittelbar nach dem Ausstieg. Er dokumentiert Irans Proxy-Netzwerk: die Hisbollah, irakische Milizen und die Huthis als strukturelles Expansionsprojekt. Die Hisbollah erhielt in der Hochphase des Syrienkonfliktes über eine Milliarde Dollar iranische Unterstützung. Das Netzwerk verfügte über mehr als 100.000 Raketen. Steinbergs Kerargument: Irans Regionalpolitik lief parallel zum JCPOA. Der Deal hat sie nicht gestoppt. Das ist das stärkste empirische Pol-B Argument im gesamten Korpus. Analytisch entscheidend ist aber Steinbergs Einschränkung, denn er nennt den JCPOA-Ausstieg trotzdem falsch. Die resultierenden Sanktionen hätten allenfalls einen positiven Nebeneffekt. Sie sind aber keine legitime Strategie. Steinberg liefert damit das härteste Gegenargument zur These dieser Analyse und widerlegt es zugleich partiell selbst.
Guido Steinberg – „The Axis of Resistance“, SWP Research Paper, August 2021
Drei Jahre später zieht Steinberg eine nüchterne Bilanz. Irans regionale Expansion hat 2018 ihren Höhepunkt erreicht. Seitdem trifft Teheran auf strukturelle Grenzen. Nicht etwa durch militärische Niederlagen, sondern weil seine Verbündeten zwar militärisch stark, aber politisch und wirtschaftlich destruktiv sind. Libanon, Irak, Syrien, Jemen: Alle sind am Kollabieren. Iran finanziert Stabilität durch Instabilität. Das schwächt das Regime langfristig selbst. Steinbergs Empfehlung bleibt Eindämmung, aber eher koordiniert und nicht durch militärische Mittel.
Guido Steinberg – „Der Nexus zwischen al-Qaida und Iran“, SWP-Artikel vom 9. März 2024
Der jüngste Steinberg-Artikel erweitert das Bild um eine Dimension. So pflegt der Iran zu al-Qaida seit 2001 eine pragmatische Zweckbeziehung, trotz einer ideologischen Feindschaft. Getreu dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. In diesem Falle ist der gemeinsame Feind die USA.
Es gibt drei Motive, die das erklären:
- Die gemeinsame Feindschaft zu den USA und Israel. Das schafft ein operatives Interesse an Koexistenz. Nicht an einer Kooperation im ideologischen Sinne.
- Ein zweiter Grund ist eher defensiver Natur. Al-Qaida ist eine schiitenfeindliche Organisation, der Iran ein schiitischer Staat. Es ergibt für den Iran daher Sinn al-Qaida Kader festzuhalten. Das iranische Regime fürchtet sunnitische Aufstände in seinen eigenen Minderheitsgebieten – Kurden, Balutschen, Araber – und nutzt inhaftierte al-Qaida Führer als Faustpfand und Sicherheitspuffer.
- Drittens die selektive Durchlässigkeit. Der Iran kann darüber entscheiden, welche al-Qaida Elemente er durch sein Territorium lässt und welche er festhält. Das ermöglicht dem Iran eine Form der Steuerung. Jene al-Qaida Kämpfer welche im Irak und in Afghanistan gegen US-Truppen kämpften, ließ er gewähren. Jene, welche den Iran Richtung Pakistan oder Syrien verließen, wurden getötet oder festgenommen. Wer im Iran verblieb, der überlebte.
Im Jahr 2015 wurden mitten in der Schlussphase der JCPOA-Verhandlungen fünf hochrangige al-Qaida-Führer seitens Iran freigelassen. Die genauen Gründe dafür wurden nie bekannt. Steinberg vertritt hier die prominente Hypothese, dass die freigelassenen Kämpfer zugesichert hätten, Anschläge auf ausschließlich westliche Ziele zu planen. Nicht auf iranische oder schiitische. Das Kalkül der Iraner sei dabei die nützliche Destabilisierung ohne eigene Gefährdung.
Für die Diskursanalyse ist dieser Befund in zweierlei Hinsicht relevant. Inhaltlich liefert er Pol-B sein stärkstes Argument jenseits des Nukleardossiers: Iran ist ein opportunistisch-offensiver Akteur, welcher Machtlogik über Ideologie stellt. Auch gegenüber erklärten Feinden, wie al-Qaida. Dabei ist strukturell entscheidend, dass der JCPOA nicht im Artikel vorkommt. Irans Schattenpolitik lief während der gesamten JCPOA Laufzeit weiter, unabhängig vom Deal. Daraus folgt analytisch: Nuklearpolitik und Regionalpolitik sind separate Variablen. Der JCPOA hatte nie den Anspruch, Irans Regionalpolitik zu verändern. Er sollte das Nuklearprogramm begrenzen, und das tat er nachweislich. Der Ausstieg hat genau diese Begrenzung zerstört. Die Al-Qaida-Beziehung blieb davon unberührt.
Zwischentöne: Regionale Folgekosten und innenpolitische Dynamik
Die fünf SWP-Zwischentöne des Korpus teilen eine gemeinsame Grundhaltung. Sie erkennen Irans Bedrohungspotenzial an, ziehen aber daraus nicht zwangsläufig den Schluss der Eindämmungslogik.
Drei Artikel markieren diese Bandbreite besonders deutlich.
Muriel Murciano zeigt in „Preventing a Spillover of the Iran-Israel Conflict“, SWP Comment Juli 2018, dass der JCPOA-Ausstieg die Eskalationsanreize des Irans in Syrien nun unmittelbar erhöht. Das Vakuum, das der Ausstieg hinterlässt, vergrößert Tehrans regionalen Handlungsspielraum, ohne dass ein neues Einbindungsinstrument vorhanden wäre.
Hamidreza Azizi dokumentiert in „Challenges to Iran’s role in Iraq in the Post-Soleimanis Era“, SWP Comment, Juli 2021, eine gegenläufige Dynamik: Soleimanis Tötung im Januar 2020 hat Irans Einfluss im Irak mittelfristig geschwächt. Nicht durch westlichen Druck, sondern durch das Fehlen einer charismatischen Führungsfigur und wachsenden irakischen Widerstand gegen iranische Einmischung. Der Ausstieg 2018 erscheint dabei als Kontextbedingung, welche Irans regionale Strategie militarisiert hat.
Die analytisch dichteste Zwischenton-Position liefert Azadeh Zamirirad in „Iran im Umbruch“, SWP-Studie, April 2023. Khamenei treibt einen Elitenwandel voran – jung, revolutionär, radikal – um die Post-Khamenei-Ära innenpolitisch zu sichern. Zamirirad zeigt dabei: Externer Druck wird von Teheran als Beleg für westliche Feindschaft instrumentalisiert. Er stärkt Hardliner, nicht Reformer. Die Eindämmungslogik produziert damit strukturell das, was sie verhindern will. Den JCPOA-Ausstieg benennt Zamirirad als Wendepunkt, der diese Radikalisierung beschleunigt hat, nicht verursacht, aber katalysiert.
Synthese: Was der Diskurs zeigt
Vierzig Artikel aus zwei Korpora, acht Jahre Analysezeitraum, zwei Pole und eine Mehrheit dazwischen. Was lässt sich darauf ableiten?
Erstes Muster: Der Diskurs ist Pol A-lastig – aber nicht eindeutig
Weder in Foreign Affairs (FA) noch im SWP-Korpus dominiert Pol B. Die Mehrheit der Artikel – 20 von 40 – ist als Zwischenton einzuordnen. Klares Pol A vertritt zehn Artikel, klares Pol B sechs. Das ist kein Zufall, denn es spiegelt den Stand der Debatte: Maximaler Druck hat keine Kapitulation erzeugt. Das ist empirisch schwer zu bestreiten. Was strittig bleibt: Was hätte an seiner Stelle funktioniert?
Zweites Muster: Pol B hat keinen kohärenten Lösungsvorschlag
Pompeo, Choksy/Choksy, Steinberg – sie alle diagnostizieren Iran als revisionistischen Akteur. Aber keiner liefert eine belastbare Antwort auf die Frage: Was genau soll Druck bewirken, wenn Iran nachweislich nicht kapituliert? Takeyh setzt auf den Selbstschaden der Bombe. Das lässt sich weniger als klare Strategie beschreiben, sondern eher als eine Wette auf die Zukunft. In diesem Lager ist Ross der ehrlichste Pol-B-Vertreter. Er erkennt an, dass der Druck alleine scheitert. Er bleibt aber bei seiner Pol-B-Prämisse, weil er keine Alternativen benennen will. Auffällig ist dabei: Selbst die stärksten Pol B Autoren: Steinberg in seinen SWP Artikeln und Ross in FA, nennen den JCPOA-Ausstieg einen Fehler. Pol B verteidigt die Eindämmungslogik als ein zentrales Prinzip der Iran Politik. Hingegen verteidigt den Ausstieg als konkreten Schritt niemand im Korpus außer Pompeo selbst.
Drittes Muster: Pol A hat das stärkere empirische Fundament und eine strukturelle Schwäche
Colin H. Kahl belegt: Die Ausbruchszeit verdreifacht sich unter dem JCPOA. Zamirirad belegt dazu: Sie kollabierte danach auf unter eine Woche. Vaez (2024) belegt: Das Vertrauen ist strukturell zerstört. Brustlein et al. (2018) haben den Worst Case präzise vorhergesagt und recht behalten. Das empirische Argument ist stark. Die strukturelle Schwäche von Pol A: Sie erklärt, warum der Ausstieg falsch war. Sie beantwortet nicht, wie ein neues Abkommen unter den Bedingungen von 2025, nach dem Zwölf-Tage-Krieg, nach dem Tod Khameneis und nach dem Kollaps des Snapback-Mechanismus noch möglich wäre.
Viertes Muster: Die Zwischentöne zeigen das eigentliche Dilemma
Haas, Einhorn, Brewer, Ostovar – jede:r dieser Autor:innen landet an derselben Stelle. Weder maximaler Druck noch reine Diplomatie lösen das Iran-Problem dauerhaft. Der Iran-Diskurs hat kein Rezept, weil das Problem strukturell unlösbar geworden ist. Der JCPOA war eine Lösungsoption. Der Verlust dieser Option hat nicht nur einen Deal zerstört. Er hat den Handlungsrahmen zerstört, innerhalb dessen Lösungen überhaupt denkbar waren.
Rückkehr zur These
Der JCPOA-Ausstieg der USA am 8. Mai 2018 hat die erklärten US-Ziele, Nonproliferation und regionale Stabilität, systematisch untergraben und die aktuelle Eskalation strukturell mitverursacht. Diese These findet im Gesamtkorpus starke Stützung. Sie wird von Pol A explizit vertreten, von den Zwischentönen empirisch belegt und von Pol B selbst nicht wirklich widerlegt, da selbst die stärksten Eindämmungsvertreter den Ausstieg als Fehler bezeichnen. Was der Korpus nicht beantwortet, ist, was jetzt noch getan werden kann. Das ist Aufgabe der Politik.
Fazit
Am 8. Mai 2018 kündigten die USA den JCPOA auf. Die erklärten Ziele waren Nonproliferation und regionale Stabilität. Diese Analyse hat gefragt, ob der Ausstieg diese Ziele gefördert oder untergraben hat.
Der Befund des Korpus ist eindeutig.
Vierzig Artikel aus zwei Korpora zeigen: Die Mehrheit der analysierten Autor:innen sieht den Ausstieg als strategischen Fehler. Kahl hat 2018 gewarnt und recht behalten. Zamirirad hat 2025 die Kausalkette vollständig dokumentiert. Vaez hat den Vertrauensverlust als strukturelles Problem benannt. Brustlein et al. haben den Worst Case antizipiert und er ist dann auch eingetreten.
Pol B hat das stärkste Argument über Irans Charakter als Akteur. Iran ist kein defensiver Staat. Sein Proxynetzwerk, seine al-Qaida-Beziehung, seine Regionalpolitik, all das läuft parallel zur Nukleardiplomatie und unabhängig von ihr. Steinberg (SWP) zeigt das sehr präzise in seinen Artikeln. Aber selbst die stärksten Pol-B-Stimmen im Korpus, einschließlich Steinberg, nennen den Ausstieg einen Fehler. Das ist der entscheidende Befund: Pol B verteidigt die Eindämmungslogik als ein Prinzip. Den konkreten Schritt vom 8. Mai 2018 verteidigt im Korpus niemand außer dem Architekten Pompeo selbst.
Was der Diskurs nicht beantwortet und was damit auch diese Analyse nicht beantworten kann, ist die Frage, wie es weitergeht. Der institutionelle Rahmen ist zerstört. Die Ausbruchzeit eines möglichen nuklearen Angriffes des Irans liegt bei wenigen Tagen. Der Snapback-Mechanismus ist abgelaufen. Was unter diesen Bedingungen noch möglich ist, bleibt offen. Haass hat ein Verhandlungsfenster identifiziert, dies wurde geschlossen, bevor es überhaupt genutzt werden konnte.
Die These dieser Analyse, der Ausstieg hat die erklärten US-Ziele systematisch untergraben, wird durch den Korpus gestützt. Sie ist nicht bewiesen. Kausalität ist in der Außenpolitik selten eindeutig nachweisbar und der Iran hat eigenständige Eskalationsentscheidungen getroffen, welche über bloße Reaktionen hinausgehen. Aber die Beweislast liegt nun mal bei Pol B und sie ist bisher nicht erbracht worden. Kein Autor im Korpus belegt empirisch, dass maximaler Druck Iran näher an eine Verhaltensänderung, im gewünschten Sinne, gebracht hat. Das Gegenteil ist dokumentiert.
Der JCPOA war kein Vertrauensbeweis. Er war ein institutioneller Rahmen. Sein Verlust hat nicht nur eine Verhandlungschance zerstört, er hat die strukturellen Bedingungen gesetzt für die Eskalation, die darauf folgte.
Quellenverzeichnis
Foreign Affairs: Analysekorpus (29 Artikel)
Primärquellen
- Sherman, Wendy. How We Got the Iran Deal. Foreign Affairs, September/Oktober 2018.
- Pompeo, Michael R. Confronting Iran. Foreign Affairs, November/Dezember 2018.
- Zarif, Mohammad Javad / Garmsiri, Amir Parsa. How America and Iran Can Break the Nuclear Deadlock. Foreign Affairs, Dezember 2025.
- Mousavian, Seyed Hossein. How Iran Sees Its Standoff With the United States. Foreign Affairs, Juli/August 2019.
Pol A: Kooperationslogik
- Kahl, Colin H. Pompeo’s Dangerous Delusions. Foreign Affairs, Oktober 2018.
- Nasr, Vali. Iran’s Roads Not Taken. Foreign Affairs, September/Oktober 2025.
- Miller, Aaron David. America Is on the Verge of Catastrophe. Foreign Affairs, 21. Juni 2025.
- Pape, Robert A. Israel’s Futile Air War. Foreign Affairs, 17. Juni 2025.
- Rome, Henry. Iran Is Doing Just Fine. Foreign Affairs, 5. November 2019.
- Nephew, Richard. The Abiding Question of the Iranian Bomb. Foreign Affairs, 5. Maerz 2026.
- Haass, Richard. The Iran Opportunity. Foreign Affairs, 6. Januar 2025.
- Einhorn, Robert. The Path to a Good-Enough Iran Deal. Foreign Affairs, 29. August 2025.
- Ero, Comfort. The Case for a Trump to Tehran Strategy. Foreign Affairs, 11. April 2025.
- Pollack, Kenneth M. The Real Threat From Iran. Foreign Affairs, 13. Juni 2025.
Pol B: Eindämmungslogik
- Choksy, Carol E. B. / Choksy, Jamsheed K. Iran’s Nuclear Tipping Point. Foreign Affairs, 14. Oktober 2024.
- Ross, Dennis. Iran Is Testing the Trump Administration. Foreign Affairs, 24. September 2019.
- Takeyh, Ray. The Bomb Will Backfire on Iran. Foreign Affairs, 18. Oktober 2021.
- Wang Xiyue. Lessons From Three years in an Iranian Prison. Foreign Affairs, 3. September 2020.
Zwischentöne
- Tabaar, Mohammad Ayatollahi. The Islamic Republic’s New Lease on Life. Foreign Affairs, 8. Juli 2025.
- Maloney, Suzanne. Iran’s Dangerous Desperation. Foreign Affairs, September/Oktober 2025.
- Grajewski, Nicole / Panda, Ankit. The Stunning Failure of Iranian Deterrence. Foreign Affairs, 19. Maerz 2026.
- Alterman, Jon B. A Detente Option for Iran. Foreign Affairs, 3. April 2024.
- Golkar, Saeid / Aarabi, Kasra. The Brewing War With Israel Is Boosting Iran’s Young Hard-Liners. Foreign Affairs, 11. Oktober 2024.
- Brewer, Eric. Iran’s New Nuclear Threat. Foreign Affairs, 24. Juni 2024. [Grenzquelle: NTI]
- Vaez, Ali. Why the War in Gaza Makes a Nuclear Iran More Likely. Foreign Affairs, 25. Januar 2024.
- Kaye, Dalia Dassa. Israel’s Dangerous Shadow War With Iran. Foreign Affairs, 27. Februar 2023.
- Ostovar, Afshon. The U.S. and Iran Are Marching Toward War. Foreign Affairs, 28. Juni 2019.
- Malkasian, Carter / Constantino, Zachary. Nuclear Powers, Conventional Wars. Foreign Affairs, 17. Juli 2025.
- Reid Smith, James. Don’t Betray America First With a War on Iran. Foreign Affairs, 18. Juni 2025.
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP): Analysekorpus (11 Artikel)
Pol A: Kooperationslogik
- Sascha / Meier, Oliver / Zamirirad, Azadeh. Irans Atomprogramm: Washington und Brüssel auf Kollisionskurs. SWP-Aktuell, Juli 2017.
- Brustlein, Corentin et al. Saving Transatlantic Cooperation and the Iran Nuclear Deal. SWP-Comment, Februar 2018.
- Zamirirad, Azadeh. Neue Atomgespräche mit Iran. SWP-Aktuell 22, Mai 2025.
Pol B: Eindämmungslogik
- Steinberg, Guido. Die schiitische Internationale. SWP-Aktuell, Oktober 2018.
- Steinberg, Guido. The Axis of Resistance. SWP Research Paper, August 2021.
- Steinberg, Guido. Der Nexus zwischen al-Qaida und Iran. SWP-Aktuell 9, Maerz 2024.
Zwischentöne
- Murciano, Muriel. Preventing a Spillover of the Iran-Israel Conflict. SWP Comment, Juli 2018.
- Azizi, Hamidreza. Iran’s Multi-Faceted Strategy in Deir ez-Zor. SWP Comment, Maerz 2020.
- Azizi, Hamidreza. Challenges to Iran’s Role in Iraq: Post-Soleimani. SWP Comment, Juli 2021.
- Zamirirad, Azadeh. Zeit fuer eine andere Iranpolitik. SWP-Aktuell, Maerz 2023.
- Zamirirad, Azadeh. Iran im Umbruch. SWP-Studie, April 2023.
Kontextquellen (nicht Teil des Analysekorpus)
- https://www.zdfheute.de/politik/ausland/usa-iran-angriffe-strasse-von-hormus-100.html
- Wikipedia. Irankrieg 2026. Stand: 14. Mai 2026. https://de.wikipedia.org/wiki/Irankrieg_2026
- Wikipedia. Economic impact of the 2026 Iran war. Stand: 14. Mai 2026. https://en.wikipedia.org/wiki/Economic_impact_of_the_2026_Iran_war
- Blick.ch. Teheran werde das Lachen vergehen. 12. Mai 2026. https://www.blick.ch/ausland/teheran-werde-lachen-vergehen-trump-nennt-irans-vorschlag-zum-kriegsende-voellig-unakzeptabel-id21755548.html
- Friedensbildung BW. Iran-Krieg aktuell 2026. https://www.friedensbildung-bw.de/iran-konflikt
Methodischer Hinweis: Vier Artikel des Analysekorpus haben einen besonderen methodischen Status als Primärquellen. Sherman (2018), Pompeo (2018), Zarif/Garmsiri (2025) und Mousavian (2019) sind Texte direkter politischer Akteure, keine externen Analysen. Sie werden im Methodenteil explizit behandelt.
Vier weitere Artikel haben einen eingeschränkten Status als Grenzquellen: Wang Xiyue (2020), Reid Smith (2025), Brewer (2024) und Vaez (2024). Ihre institutionelle Einbettung erfordert besondere Transparenz, dokumentiert im Methodenteil.


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